05.06.2013

Mit „Hybrid Building 2050“ modular zum Plusenergiehaus

Ob Franchisesysteme für Plusenergiehäuser oder das Anpeilen neuer Märkte: Als Gesellschafter der VARIOTEC-Holding entwickelt Albert Donhauser seit 2010 richtungsweisende Strategien für die Neumarkter Unternehmensgruppe. Was die Gesellschafterversammlung beschließt, setzt die Geschäftsführung dann im Tagesgeschäft um. Mit der „Hybrid Building 2050 - Beratungsgesellschaft für Gebäudekonzepte mbH" verspricht das jüngste Mitglied im Firmenverbund seit kurzem Aussicht auf Erfolg. Was es damit auf sich hat, verriet Donhauser beim Interview im neuen Plusenergie-Büroanbau.

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Frage: Der neue Firmenanbau in Plusenergiestandard ist seit September 2012 in Betrieb. Sind Sie zufrieden?

Donhauser: Das neue Gebäude gefällt mir sehr gut. Eigentlich war die Bauzeit mit 6 bis 8 Wochen angesetzt, allerdings haben wir in unserem Prototyp „Hybrid Building 2050" sehr viele Details verbaut, die dem Monitoring dienen. Mit diesem können wir unser Haus in punkto Energiegewinne und -verbräuche bewerten und bilanzieren. Dadurch hat sich die Bauzeit verlängert.

Frage: Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Gebäude?

Donhauser: Ganz einfach! Wir zeigen, dass wir ein Plusenergiehaus mit handelsüblichen Produkten bauen können. Dafür wollen wir nichts Neues erfinden, sondern handelsübliche Produkte so miteinander verknüpfen, dass am Ende ein Plusenergiehaus entsteht.

Frage: Fließen auch VARIOTEC-Produkte in das Konzept ein?

Donhauser: Natürlich, denn unsere Produkte (Haustür, Fenster, Vakuumdämmung) werden ja verwendet, um die Haushülle dicht und energieeffizient zu gestalten. Nur mit einer dichten Haushülle ist es überhaupt erst möglich, ein Plusenergiehaus entstehen zu lassen. Damit minimieren sich die Verbräuche von Heiz- und Kühlenergie sehr stark. Wir wollen dieses Gebäude, das jetzt als Bürogebäude verwendet wird, zu einem Wohngebäude weiterentwickeln und vermarkten. Planerisch ist das bereits verwirklicht, nur gebaut noch nicht.

Frage: Denken Sie an eine Art Fertighaus?

Donhauser: Nein, kein Fertighaus, sondern ein Gebäude, das in modularer Bauweise gebaut werden kann. Der Büroanbau, in dem wir gerade sitzen, hat eine Nutzfläche von 137 m². Hier würde man auch gut ein Einfamilienhaus unterbringen - im Erdgeschoss z.B. Kochen, Wohnen und Essen; im oberen Bereich Bad und Schlafzimmer. Auch eine Vergrößerung der Wohnfläche ist möglich. Dafür werden wir, angepasst an den Bedarf, Module entwickeln, um die Fläche vergrößern zu können. Wichtig ist dabei immer, dass die Haushülle zusammen mit der Haustechnik so konzipiert ist, dass das Plusenergiehaus weiterhin als solches funktioniert. Wichtig ist zudem, dass sich unser „Hybrid Building 2050" an die Lebenssituation des Nutzers anpasst.

Frage: Wie soll das System in den Markt kommen?

Donhauser: Im Rahmen eines Franchisekonzeptes. Dafür werden wir über unsere im Mai 2012 gegründete Gesellschaft „Hybrid Building 2050", einem Schwesterunternehmen der VARIOTEC GmbH & Co. KG, Franchisegeber sein. Wir suchen Partner, z.B. Holzbauer, Planer oder Bauträger, die dann in einem bestimmten Gebiet unsere Häuser vermarkten.

Frage: Beherrschen Sie die Plusenergiethematik vollständig?

Donhauser: Die Kühllasten stellen uns noch vor ein paar Probleme, denn wir haben bei unserem Neubau vorerst auf handelsübliche Kühlsysteme zurückgegriffen. In diesem Gebäude gibt es keine Fußboden-, sondern eine Deckenheizung, die wir auch gleichzeitig zum Kühlen verwenden. Ob ich durch die Rohre heißes oder kaltes Wasser schicke, ist dem System letztlich egal. Die Kühlenergie wird momentan allerdings durch eine Wärmepumpe erzeugt. Das benötigt sehr viel Energie und der Plusenergieeffekt fällt kleiner aus. Eine wesentlich bessere Möglichkeit ist eine Zisterne, die im Erdboden vergraben wird und mit Wasser arbeitet, das durch das Erdreich kühl gehalten wird. Das konnten wir aus Termingründen noch nicht umsetzen, werden dies aber noch nachrüsten. Was wir an unserem Neubau lernen ist, sehr viel mit Verschattung arbeiten zu müssen, um die Kühllasten in den Griff zu bekommen. Einerseits benötigen wir die nach Süden hin verglasten Flächen, um solare Gewinne zu generieren. Andererseits ist dies im Sommer aber eher störend, denn dann muss man versuchen, das Haus kühl zu halten. Deswegen haben wir hier zusammen mit einem Partnerunternehmen eine gut funktionierende Verschattung eingebaut.

Frage: Wo sehen Sie VARIOTEC in Zukunft?

Donhauser: Nach wie vor als Innovationsführer für eine passivhaustaugliche bzw. plusenergiehaustaugliche Haushülle - und zwar komplett. VARIOTEC bleibt dabei Systemgeber für die Gebäudehülle. „Hybrid Building 2050" geht einen Schritt weiter, denn hier agieren wir als Systemgeber für ein komplettes Plusenergiehaus. Die Systeme werden miteinander verbunden - sprich dichte Haushülle plus Haustechnik. Unser Markt ist relativ groß, weil die Gebäude immer weniger Energie verbrauchen sollen. Da helfen unsere Produkte natürlich. Allein der deutsche Markt ist im Bereich Sanierung von Bestandsgebäuden sehr groß. Hier gelingt es derzeit nur ca. 1 bis 2 Prozent des Bestandes pro Jahr zu sanieren. Für unsere Produkte bedeutet das eine Menge Potenzial. Derzeit haben wir 110 Mitarbeiter. 2011 haben wir das Gebäude für das Werk II (VIP-Produktion) dazugekauft und es 2012 zum Laufen gebracht. Das war für uns ein riesengroßer Schub. Für die Vermarktung des Plusenergiehauskonzeptes werden wir unseren Personalstand ebenfalls erweitern. Außerdem wird es Weiterentwicklungen im Bereich unserer Vakuumdämmung geben.

Frage: Was wünschen Sie sich für das laufende Jahr?

Donhauser: Dass unser Franchisesystem zum Leben erweckt wird und wir die ersten Franchisepartner begrüßen dürfen. Die ersten vielversprechenden Gespräche sind bereits gelaufen.

Weiterführende Informationen zum Plusenergiehauskonzept „Hybrid Building 2050" finden Sie unter www.variotec.de

Das Unternehmen in Kürze

Die VARIOTEC GmbH & Co. KG mit Sitz im oberpfälzischen Neumarkt ist führender Hersteller und Systemgeber von Außen-, Spezial- und Funktionstüren, Passivhausfenstern und Wandsystemen sowie Sandwichelementen im Bereich des energieoptimierten Bauens. Das Unternehmen beschäftigt 110 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2012 einen Umsatz von 16 Millionen Euro. Für die Entwicklung des QASA-Dämmsystems erhielt das Unternehmen 2007 den Innovationspreis „Produktinnovation Bauen im Bestand". 2008 zeichnete die Oskar-Patzelt-Stiftung VARIOTEC mit dem „Großen Preis des Mittelstandes" aus. Seit 2013 vertreibt die Tochter „Hybrid Building 2050 Beratungsgesellschaft für Gebäudekonzepte mbH" ihr gleichnamiges Bausystem für Plusenergiehäuser als Franchisegeber.

Weitere Bilder


Bild 2: Der neue 137 m² große Büroanbau im Plusenergiestandard beherbergt seit September 2012 die VARIOTEC-Geschäftsführung sowie einen Schulungsraum.


Bild 1: „Mit dem Franchisekonzept ,Hybrid Building 2050’ steigt die VARIOTEC-Gruppe zum Systemgeber für komplette Plusenergiehäuser“ auf, sagt Gesellschafter Albert Donhauser.

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